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24. April 2017

Wissenschaftsministerin Alheit und Bildungsministerin Ernst würdigen Vorreiterrolle des „Instituts für Inklusive Bildung“

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Kiel. Anlässlich ihres Besuchs am „Institut für Inklusive Bildung“ an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hoben Wissenschaftsministerin Kristin Alheit und Bildungsministerin Britta Ernst die Vorreiterrolle des Instituts hervor, bei dem Menschen mit Behinderungen als qualifizierte Bildungsfachkräfte werdende Lehrkräfte und andere angehende Akademikerinnen und Akademiker an den Hochschulen in Schleswig-Holstein ausbilden. „Das Thema Inklusion steht ganz oben auf der Agenda der Landesregierung“, erklärte Alheit. „Mit der Anerkennung des Instituts als wissenschaftliche Einrichtung haben wir ein einmaliges Hochschul- und Inklusionssignal gesetzt.“

„Das Institut für Inklusive Bildung, bei dem Menschen mit Behinderungen als fest angestellte Lehrendbeauftragte tätig sind, ist ein gutes Beispiel dafür, wie durch die Zusammenarbeit von Akteuren aus den Bereichen Bildung, Politik, Verwaltung und Selbstvertretung ein erfolgreiches Vorhaben wird“, sagte Bildungsministerin Ernst. „Das macht Mut, dass durch vernetztes Handeln auch zunächst unüberwindlich scheinende Hürden genommen werden können. Ich habe großen Respekt vor denen, die hier lehren und lernen.“

In den vergangenen drei Jahren hätten die Bildungsfachkräfte in über 70 Veranstaltungen mehr als 3.000 Personen direkt erreicht, betonte Instituts-Geschäftsführer Dr. Jan Wulf-Schnabel. „Das Institut für Inklusive Bildung ist in seiner Art weltweit einmalig und findet internationale Aufmerksamkeit. Weit über 40 Hochschulen aus dem In- und Ausland haben Interesse an den Bildungsfachkräften.“ Das Institut werde in den nächsten fünf Jahren 60 Qualifizierungsplätze an zehn Hochschulstandorten schaffen, um dann jährlich 10.000 Bildungskontakte zu ermöglichen. Die nächste Qualifizierung startet im Oktober 2017 am Hochschulstandort Heidelberg. Studierende sowie Fach- und Führungskräfte benötigten Unterstützung von Menschen mit Behinderungen, um Unsicherheiten zu überwinden und praktische Erfahrungen zu sammeln.

Im Januar dieses Jahres hat das Wissenschaftsministerium dem „Institut für Inklusive Bildung gemeinnützige GmbH“ die Stellung einer wissenschaftlichen Einrichtung („An-Institut“) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel verliehen. In dem Institut arbeiten fünf Menschen mit Behinderungen, die vormals in einer Werkstatt tätig waren und von November 2013 bis 2016 mit Fördermitteln der Aktion Mensch bei der Stiftung Drachensee zur Bildungsarbeit qualifiziert wurden.
Seit November 2016 sind diese Bildungsfachkräfte dauerhafter Teil des Wissenschaftssystems und bilden ihrerseits zum Beispiel werdende Lehrkräfte und andere angehende Akademikerinnen und Akademiker an den Hochschulen in Schleswig-Holstein aus. Das Institut für Inklusive Bildung wird mit Landesmitteln unterstützt.

Die beiden Ministerinnen nahmen an einem Workshop mit Bildungsfachkräften des Instituts teil und informierten sich in Gesprächen mit Beteiligten über die Entwicklung. „Als gut ausgebildete Bildungsfachkräfte beweisen wir jeden Tag, wie wichtig wir als Menschen mit Behinderungen an den Hochschulen sind und dass wir gebraucht werden, um Inklusion zu vermitteln“, erklärte Marco Reschat als einer der fünf Bildungsfachkräfte. Seine Kollegin, Laura Schwörer, ergänzte: „Dazu kommt, dass die Qualifizierung meine Selbstständigkeit stark erhöht hat indem ich zum Beispiel mein eigenes Geld verdiene, nun in einer eigenen Wohnung lebe und meinen Freizeitaktivitäten eigenständig nachgehen kann.

Ministerin Ernst betonte: „Das ist ein großer Erfolg, nicht allein für die Lehramtsausbildung, aber dort besonders. Ernst verwies darauf, dass bereits heute in den allgemeinbildenden Schulen Schleswig-Holsteins eine Inklusionsquote von fast 70 Prozent realisiert ist. Das zeige wie wichtig es sei, dass Lehramtsstudierende und Lehrkräfte in der Aus- und Weiterbildung die Lebenswelten von Menschen mit Behinderungen aus erster Hand erfahren und Inklusionskompetenz auf Augenhöhe erwerben können. „Die Bildungsfachkräfte des Instituts für Inklusive Bildung leisten hierzu großartige Beiträge – wie wir heute selbst in einem Workshop erleben konnten“, erklärte Ernst.

Unterstützung signalisierten beide Ministerinnen für das Ziel des Instituts, weitere Qualifizierungen aufzubauen. „Wir möchten die Ausbildungs- und Beschäftigungsfähigkeit von Menschen mit Behinderungen und damit die Teilhabechancen auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt erhöhen“ erklärte Ernst und Alheit ergänzte: „Umso mehr beindruckt es mich, dass es den beiden Universitäten unseres Landes weltweit erstmals gelingt, Menschen mit Behinderungen, die vormals in einer Werkstatt tätig waren, qualifiziert, dauerhaft und auf Arbeitsplätzen in die Lehre einzubinden. Dieses Institut erzeugt eine exzellente Wirksamkeit, sodass wir es als Land sicher weiter unterstützen.“

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